LOUIS FERDINAND FIX.
Louis   Ferdinand   Fix.
Vortrag des Herrn I. Loewenthal in dem Verein zur Erforschung der
Geschichte der Deutschen in Maryland am 16. Mai 1893.
Seit  vielen Jahrhunderten  haben  deutsche Männer ihre
Knochen für fremde Nationen zu Markte getragen;
auch in dem grossen Unabhängigkeitskriege unserer Republik
gegen England im vorigen Jahrhundert nahmen Deutsche thä-
tigen Antheil auf beiden Seiten, nicht minder in dem gewalti-
gen Ringen, welches Anfangs der sechziger Jahre dieses Jahr-
hunderts den amerikanischen Coutinent erschütterte.
Aber nur Wenige mag es gegeben haben, welche eine grosse
und gesicherte Stellung mit einer allem Anscheine nach glän-
zenden Zukunft aufgaben, um für die Erhaltung dieser Re-
publik mit ganzer Manneskraft einzutreten. Solch' ein Mann,
der für die Freiheit und für die Rechte aller Menschen sein
Leben in einem fremden Lande in die Schanze schlägt, der es
vorzieht, um einer hehren Idee willen, die Bequemlichkeiten einer
hohen Stellung mit ihren finanziellen Annehmlichkeiten für
eine ungewisse Zukunft mit allen Schrecken eines blutigen
Krieges hinzugeben, solch ein Mann thut mehr, als der Bürger
eines Landes, welcher seine Pflicht für seine angestammte Hei-
math oder für sein Adoptivvaterland auf dem Schlachtfelde
ausübt. Ein solcher Held der Freiheit war der jüngst in
Washington gestorbene Oberst Louis Ferdinand Fix.
Am 3. September 1829 wurde derselbe in Luxemburg, der
Hauptstadt des damals zum deutschen Bunde gehörigen, gleich-
namigen Grossherzogthums, geboren. Was Elternliebe und
gute Schulen für einen geistig begabten jungen Menschen zu
thun im Stande sind, ward ihm im vollsten Masse zu Theil.
Seine Eltern waren einige Jahre nach seiner Geburt nach
der Stadt Arlon, im heutigen Belgisch-Luxemburg, gezogen,
und um dem jungen Sprossen nicht die Gelegenheit eines
40
besseren Schulbesuches zu rauben, blieb er mit seinem jüngeren
Bruder, dem jetzigen belgischen General-Lieutenant, Henri
Constant Fix, bei der Grossmutter in Luxemburg, und dieselbe
theilte sich mit einer damals noch unverheiratheten Tante in
die Erziehung der beiden Knaben.
Wir müssen nun die Verhältnisse jener Zeit im politischen
Leiben etwas näher in's Auge fassen und sehen, wie dieselben
auf das Gemüth des Knaben einwirkten,
  Im Frieden zu Campo Formio 1797, war das Luxemburger
Land mit den oesterreichischen Niederlanden und dem bur_
gundischen Kreise an Frankreich abgetreten worden und bil-
dete das De'partement des forets. Noch lebten zur Jugendzeit
unseres Ferdinand, wie er genannt wurde, Hunderte von Vete-
ranen in Luxemburg und Umgegend, welche Jahre lang gehol-
fen hatten, den Ruhm des ersten Napoleon durch die halbe
Welt zu tragen. Sein eigener Onkel hatte in der napoleoni-
schen Garde sich Ruhm und Ehren geholt und wohl mag der
aufgeweckte Knabe mit stets neuer Begierde und unvermin-
derter Lust den Erzählungen jener früheren Soldaten gelauscht
haben, wenn sie mit begeisterten Worten von ihrem Helden-
kaiser und von ihren Feldzügen sprachen. Hierzu kamen noch
die Kämpfe in Griechenland in den Jahren von 1821—1829,
und die französische Julirevolution 1830. Ein Freiheitssturm
brauste durch Europa im Osten wie im Westen; in Deutsch-
land regte es sich an allen Ecken und Enden. Kein Wunder,
dass die Liebe zu kriegerischen Abenteuern und zur Freiheit
in der Seele des jungen Mannes immer festeren FUSS fasste.
Doch den mächtigsten Eindruck machten die grossen po-
litischen Begebenheiten in unmittelbarer Nähe.
Nach dem Sturze Napoleons I. war Belgien ein Theil des
Königreichs der Niederlande geworden; das daran grenzende
Luxemburger Land wurde zum Grossherzogthum erhoben und
war dem damaligen Könige der Niederlande auch die Würde
eines Grossherzogs von Luxemburg übertragen worden, doch
blieb Luxemburg deutsch und war nur durch Personal-Union
in Verbindung mit den Niederlanden. Aber ganz Luxemburg
stellte sich beim Ausbruche der Revolution auf Seiten der
Belgier und nur die preussische Bundesbesatzung der Festung
Luxemburg verhinderte den Abfall der Hauptstadt selbst, das
41
Land trat offen gegen Holland auf. Die Belgier, von den
Franzosen unterstützt, vertrieben die holländischen Truppen
aus den belgischen Städten.
Die Ursachen des damaligen Abfalls der belgischen Theile
von dem Vereinigten Königreiche der Niederlande sind zum
Theil in den Bestrebungen Hollands zu suchen, eine Verschmel-
zung der beiden Landestheile anzubahnen, und in den grossen
Schwierigkeiten bei der Behandlung der geistlichen Angele-
genheiten und des öffentlichen Unterrichts. Die katholische
Geistlichkeit und die Regierung stellten sich immer schroffer
gegenüber. Auch behandelte bei Besetzung von Staatsämtern
und Offiziersstellen die Regierung die belgischen Provinzen
durchaus stiefmütterlich. Hierzu kamen die unendlichen Press-
prozesse der Regierung gegen die Oppositionsblätter Belgiens,
wobei die Regierung die bestehenden Gesetze durch neue Ver-
ordnungen willkürlich umänderte.
Ein Vatersbruder unseres jungen Ferdinand trat in die
Reihen der belgischen Armee und blieb nach Errichtung des
Königreichs Belgien in derselben, in welcher er es bis zum
Hauptmann brachte.
Alle diese Ereignisse verfehlten gewiss nicht, ihren Ein-
fluss auf den Knaben auszuüben, der mit grossem Erfolge die
Schulen der Stadt Luxemburg besuchte. Ein Ereigniss aus
jener Zeit zeugt von dem Muthe und der Bescheidenheit unseres
Ferdinands.
Als junger Gymnasiast  rettete  er  einem Mitschüler das
Leben, indem er ihn mit eigener, grosser Lebensgefahr aus
dem Wasser der schäumenden Alzette heraus holte. Nach
vollbrachter That raffte er eiligst seine am Ufer hingelegten
Schulbücher zusammen und eilte nach Hause. Als eine halbe
Stunde später die Eltern des Kindes ihm in Begleitung einer
grossen Volksmenge ihren Dank abstatten wollten, war er
längere Zeit nirgends zu finden und erst nach längerem Suchen
fand man ihn in seinem Bette, wohin er sich zum Trocknen
gelegt, während seine Kleider zu gleichem Zwecke über einige
Stühle gelegt waren; er hatte von. seiner Heldenthat keinem
Hausinsassen ein Wort verrathen.
Von der Schule in Luxemburg kam Ferdinand nach Ant-
werpen auf eine Navigationsschule und schon vor seinem voll-
42
endeten   19.   Jahre   erhielt   er   das   Befähigungspatent   eines
Schiffslieutenants, nämlich am 12. August 1848.
Das war eine gewaltige und grosse Zeit. Mit aller Kraft
suchte sich der Einheitsgedanke im deutschen Volke Bahn zu
brechen, im Bunde mit dem Streben nach grösserer politischer
Freiheit.
Im Anfange waren diese Bestrebungen mit theilweisem
Erfolge gekrönt. Die deutsche National-Versammlang in Frank-
furt errichtete eine provisorische Centralgewalt, welche bis zur
Begründung einer Verfassung Deutschlands die vollziehende
Gewalt ausüben sollte; an die Spitze derselben wurde als
Reichsverweser Erzherzog Johann von Oesterreich gewählt.
Die obengenannte National-Versammlung in Frankfurt a.
M. war unter Anderem auch eifrig bestrebt, eine deutsche
Kriegsflotte zu gründen und zu diesem Zwecke wurde eine
Marine-Commission eingesetzt. Dieselbe wählte zum Organisator
der zu gründenden Flotte Karl Rudolph Bromme, Brommy
genannt, einen tüchtigen, erfahrenen Seehelden, der sich im
griechischen Unabhängigkeitskriege grosse Lorbeeren erworben
und sich später in Griechenland als tüchtiger Beamter in der
Marine-Verwaltung auszeichnete. Im Januar 1849 traf Bromme
in Frankfurt a. M. ein, trat in die technische Abtheilung der
Marine-Commission und wurde zugleich Referent im Reichs-
Ministerium. Zwei Monate später traf er in Bremerhaven als
Reichs-Commissär ein und war schon am 4. Juni im Stande,
mit drei Reichsdampfern das weit überlegene dänische Blockade-
Geschwader anzugreifen und von der Wesermündung zurück-
zuschlagen. Zur Bemannung der Schiffe erliess die Commission
der Marine unter Anderem einen Aufruf zur Besetzung von
48 Schiffsfähndrichstellen oder „Seejunkern," wie man die
jungen Herren amtlich titulirte. Es meldeten sich 1100 und
unter den wenigen Gewählten war auch Louis Ferdinand Fix.
Noch lebt in Washington ein anderer damaliger Seejunker, der
Weinhändler Hr. Pohndorff. Der sehr liebenswürdige und
hochgebildete Herr erzählte mir, dass Fix mit einem Holsteiner,
Namens Aschenfelder, sich in die Ehre theilte, als Musterjunker
den anderen Officiersaspiranten stets als nachahmenswerthes
Beispiel von Tüchtigkeit und Pflichttreue vorgeführt zu wer-
den. Er war während seiner ganzen Dienstzeit in der deut-
43
schen Reichsflotte der beliebteste Kamerad bei den Offizieren
und der erklärte Günstling des zum Admiral avancirten Bromine
Dessen Patent war vom Reichsverweser am 8. Juni 1849
datirt.
Ueber seine Dienstzeit in der deutschen Flotte bis zu deren
Auflösung, welche am 2. April 1852 beschlossen und in den
folgenden Monaten ausgeführt wurde, liegen die Zeugnisse
seiner sämmtlichen Vorgesetzten, vom Lieutenant bis zum
Admiral, vor. Sämmtliche Schriftstücke sind ein Ehrendenkmal
für den Verstorbenen.
Ueber seine Kühnheit legt die ihm
am 1. Juli 1851 vom Grossherzog von Oldenburg wegen Ret-
tung eines Menschenlebens verliehene „Medaille für Rettung
aus Gefahr" vollgültiges Zeugniss ab.
Am 29. Juli 1852 wurde Fix mit den anderen Offizieren
und Junkern verabschiedet, erhielt aber noch sein Gehalt für
ein volles Dienstjahr. Besonders ehrenhaft ist das ihm von
seinem Admiral ausgestellte Zeugniss, welches seine Pflicht-
treue und seine Tüchtigkeit, vor Allem aber seinen Muth und
sein feines, kameradschaftliches Auftreten lobt. Noch zwei
Mal hat er seinen alten Chef in St. Magnus, unterhalb Bremen,
besucht, wo derselbe im Alter von 56 Jahren, 1860, starb.
Von der Zeit des Austrittes aus der deutschen Flotte bis
zum Jahre 1859, also für einen Zeitraum von etwa 7 Jahren,
liegen uns nur zwei Zeugnisse seiner Thätigkeit vor, ebenso
ehrenvoll und lobspendend, wie alle seine anderen Zeugnisse.
Wir ersehen aus denselben, dass der junge Offizier während
zehn Monate als Capitän die belgische Handelsbrigg „Virginia"
befehligte und längere Reisen mit derselben von Constantinopel
nach Odessa, Livorno und Cette machte.
Bei einem furchtbaren Sturme war er einer der wenigen
Capitäne, welche ihr Fahrzeug, gänzlich unbeschädigt, glücklich
in den Hafen brachten, und es ist mir erinnerlich, dass er
wegen seiner Unerschrockenheit und Tüchtigkeit grosse Lob-
sprüche in den bedeutendsten deutschen und belgischen Zei-
tungen erhielt und ihm Gratulationsschreiben vom ehemaligen
Reichsverweser und vielen hohen Flottenoffizieren zu Theil
wurden.
Das zweite Zeugniss aus jener Zeit ist vom Capitän Ed.
Pongin, welches Schreiben uns belehrt, dass Fix vom Oktober
44
1856 bis zum 25. Mai 1859 auf dem Dampfer „Prinzessin
Charlotte" oder „Constitution" als Offizier gedient, zuerst als
dritter, dann als zweiter und zuletzt als erster Lieutenant, und
dass er während dieser Zeit verschiedene Reisen nach New
York und den englischen Feldzug in Indien und China mit-
gemacht habe. Es scheint nämlich, dass die Engländer den
Dampfer zur Verstärkung ihrer Flotte gemiethet, um im Krieg
gegen China oder bei der fast gleichzeitigen Niederwerfung
der Revolution in Indien mitzuwirken.
Nach seiner Rückkehr wurde Fix in Brüssel Mitglied des
Freimaurer-Ordens, wie beiliegendes Diplom bezeugt.
Jetzt beginnt für unseren kaum 30jährigen Offizier eine
glänzende Lebensepoche.
Bevor wir auf dieselbe näher eingehen, möchten wir mit
einigen Worten die Geschichte Italiens von 1848 bis 1860
skizziren.
Italien war nach der zweiten Besiegung Napoleons I. zu
keinem einheitlichen Staate umgebildet worden. Da war der
Kirchenstaat, das Königreich Sardinien, das Königreich beider
Sicilien, das Grossherzogthum Toscana, die Herzogthümer
Parma und Modena, und schliesslich noch die Lombardei und
Venetien, welche zu Oesterreich gehörten.
Schon 1831 hatte Mazzini dem italienischen Volke die
Idee einer einheitlichen Umgestaltung Italiens nahe zu legen
versucht und war dabei von einem jungen Seeoffizier, Namens
Garibaldi, feurig unterstützt worden. Festere Form gewann
diese Idee im Jahre 1848. Von den italienischen Dynastien
war die vom Hause „Savoyen," welche über Piemont oder
Sardinien herrschte, diejenige, welche den nationalen Einheits-
gedanken kräftig unterstützte; war sie ja auch die einzige echt
nationale Dynastiefamilie. Ausser diesen neigte sich auch der
Papst Pius IX. den Nationalen zu, namentlich insofern es die
Vertreibung der fremden Herrscherfamilien, der Oesterreicher
und der Bourbonen, betraf. Die Italiener vereinigten sich
unter der Führung des Königs Karl Albert von Sardinien.
Anfangs waren die Italiener siegreich, wurden aber in den
Julitagen 1848 bei Somma Campagna, Custozza und Volta von
Radetzky total geschlagen, was einen längeren Waffenstillstand
45
zur Folge hatte. Diesen benutzte Karl Albert zu neuen Rü-
stungen, kündigte im März 1849 den Waffenstillstand, erlitt
jedoch eine entscheidende Niederlage bei Novara am 23. März,
worauf der Frieden erfolgte, ohne auch nur ein Jota der ge-
wünschten Einheit dem italienischen Volke gebracht zu haben.
Garibaldi, welcher in Folge des sogenannten Savoyerzuges
1834 aus Italien geflohen war und in Frankreich, Tunis und
Süd-Amerika sich aufgehalten, hatte, sobald er von der Erhe-
bung der Italiener gegen die Fremdherrschaft vernommen, sich
nach seinem Vaterlande begeben, langte aber erst gegen Ende
der Bewegung dort an. Einzelne Erfolge, welche er als Be-
fehlshaber der lombardischen Freicorps errang, konnten die
Wirkung der Misserfolge Karl Albert's nicht aufheben, und
Garibaldi eilte an die Spitze der römischen Revolutionstruppen.
Seine Kämpfe gegen die Franzosen vor Rom, gegen die Nea-
politaner bei Palestina und Velletri und später wieder bei der
Verteidigung Roms gegen die Franzosen, legten den Grund
zu seinem wohlberechtigten Ruhme.
Nach dem Falle der Stadt Rom zog Garibaldi mit einigen tau-
send Anhängern nach dem Norden gegen die Oesterreicher, focht
mit glänzender Tapferkeit in Apennin, musste aber schliesslich
sein Corps auflösen und flüchten. Verhaftet und aufgefordert,
zwischen Gefangenschaft und Verbannung zu wählen, zog er
die letzere vor. In jene Zeit fällt der Aufenthalt Garibaldi's
in Staten Island, und dort machte er die Bekanntschaft des da-
maligen Handelsschiffs-Capitäns Fix. Beide waren bald innige
Freunde geworden. Der junge, für die Freiheit aller Menschen
schwärmende Offizier und der glühende Vorkämpfer der ita-
lienischen Einheit und Volkssouverainität konnten nicht ohne
gegenseitige Sympathien mit einander bekannt werden, und
Garibaldi hat bis zu seinem Tode dem tüchtigen Kameraden
und tapferen Mitkämpfer Louis Ferdinand Fix eine treue
Freundschaft bewahrt.
Es lag desshalb sehr nahe, dass Fix bei seiner Nachhause-
kunft von Indien und China im Mai 1859, mit grossem Inter-
resse von dem Ausbruch eines Krieges zwischen Frankreich und
Sardinien einer- und Oesterreich andererseits vernahm; da aber
schon kurz nach seiner Ankunft in Antwerpen ein Präliminar-
46
friede geschlossen wurde, so war ihm für diesmal das Mitthun
versagt.
Der schliessliche Frieden von Villafranca befriedigte jedoch
"die meisten Italienier nicht, die Einheit von ganz Italien war
ihr Bestreben gewesen und da dies nur zum Theil erreicht war,
so gährte es unter den begeisterten italienischen Patrioten im-
mer heftiger und schon am 5. Mai 1860 landete Garibaldi mit
etwa tausend Mann in Sicilien, um von hier aus seinen Sieges-
zug gegen den König von Neapel, den Kirchenstaat und die
kleineren italienischen Herzogthümer zu beginnen.
Um diese Zeit wurde Fix eine sehr einträgliche Stelle als
Capitän eines belgischen Dampfers angeboten, aber nichts
konnte ihn davon abhalten, der Freiheit und seinem Freunde
Garibaldi seinen Degen zur Verfügung zu stellen.
Mit einem Freunde, einem ehemaligen preussischen Offi-
ziere, Baron Stein von Altenstein, traf er schon im Juni 1860
in Palermo ein.
Was er dort als fähiger und unerschrockener Offizier für
die Sache Italiens gethan, beweisen die mir vorliegenden Ori-
ginalzeugnisse. Das eine ist vom Obercommandanten des Ge-
niecorps der Garibaldischen Südarmee und lautet in wörtlicher
Uebersetzung:
„Der Unterzeichnete, Obercommandant des Geniecorps der Freiwil_
ligen-Armee von Süd-Italien bezeugt hiermit, dass der Major Ferdinand
Fix im Juni 1860 in Palermo in den Dienst der Armee eingetreten und
zwar als Hauptmann im Generalstabe. Im Monat August 1860 befeh-
ligte er eine Strandbatterie von sechs Zweiunddreissigpfündern gegen
das neapolitanische Flottengeschwader; er zeichnete sich in den ver-
schiedenen dort stattgefundenen Gefechten in hohem Grade aus, indem
er die feindlichen Kräfte im Schach hielt und theilweise vernichtete.
Beim Uebergange nach Calabrien bis vor Neapel war er dem General-
stabe des Corps attachirt, vor Neapel wurde er in das Ingenieurcorps
versetzt. Am 1. Oktober 1860 wurde er in der Schlacht am Volturno
schwer verwundet und blieb nach seiner Wiederherstellung beim Inge-
nieurcorps. Ich schätze mich glücklich, dem Major Fix das Zeugniss
ausstellen zu können, dass er ein fähiger Offizier ist, der sich grosse
Verdienste erworben, eine tüchtige militärische Bildung besitzt, und
einen über allen Zweifel erhabenen Muth, von welchem er während des
ganzen Feldzuges stets Beweise gegeben."
GUOFFMAE (unleserlich),
Casale, 1. Februar 1862.
Ober-Commandant des Ingenieurcorps.
47
Das zweite Zeugniss wurde ihm am 26. Januar 1874 in
Washington von Wm. de Rohan ausgestellt und lautet wörtlich:
„Oberst L. F. Fix* und sein Freund, Baron Stein von Altenstein,
kamen im Jahre 1860 von Brüssel nach Sicilien und boten Garibaldi
ihre Dienste an; der General befahl mir, dieselben, zum Dienste an der
Brücke einzustellen, was sie freudig annahmen. Oberst Fix diente wäh-
rend des ganzen Feldzuges von Milazzo bis zum Volturno, wo er schwer
verwundet wurde; am Schlusse des Feldzuges war er einer der Weni-
gen, welche vom Könige für den Dienst in der regulären Armee zurück-
gehalten wurden und für Tapferkeit im Felde erhielt er das Ritterkreuz
von Savoyen.
Während seiner ganzen Dienstzeit in Italien war sein Betragen vor-
wurfslos und das eines „Gentleman" und seine Pflichten als Offizier
vollzog er stets als tapferer und fähiger Soldat. Es verursacht mir
grosse Freude, dieses dem Herrn Obersten Fix vollständig unaufgefor-
dert, bezeugen zu können.
Gezeichnet: WM. DE
ROHAN,
Commandeur der 2ten sizilischen Expedition und
Adjutant zur See des Generals Garibaldi."
Washington, 26. Januar 1874.
Nachdem Garibaldi mit seinen Truppen dem Könige von
Sardinien die Stadt und den Staat Neapel errangen und Victor
Emanuel als König von Italien in Neapel vom Volke begrüsst
wurde, legte Garibaldi seine bisherige Dictatur nieder und seine
Armee wurde aufgelöst. Wie wir oben ersehen, war Fix einer
der Wenigen, welche vom Könige von Italien ersucht wurden,
in die italienische Armee einzutreten. Fix wurde Major im
königl. italienischen Geniecorps; er war damals 32 Jahre alt.
Am 5. Februar 1862 sandte ihm das italienische Kriegsmini-
sterium ausser, wie oben erwähnt, das "Ritterkreuz von Savoyen"
noch eine „ehrenvolle Erwähnung" für sein tapferes Verhalten
im Felde, und Victor Emanuel ehrte den jungen Major durch
Erhebung in den Adelsstand des Königreichs Italien, unter
dem Titel Cavaliere de Fix.
Jetzt kommt seine Abfahrt nach den Vereinigten Staaten.
Bei den Nachrichten über die Kämpfe in den Vereinigten
Staaten für und gegen die Abschaffung der Sklaverei fasste
Major Fix den Entschluss nach jenem Lande zu eilen und in
*) Den Titel Oberst hatte er sich, wie später berichtet wird, im amerikani-
schen Bürgerkriege erworben.
48
den Reihen der nördlichen Truppen für die Erhaltung der
grossen Republik und zu Gunsten der von ihm stets so hoch
gehaltenen Menschenrechte mitzustreiten. Die Idee, einer un-
terdrückten Menschenklasse ihre Freiheit mitzuerobern, hatte
ihn so begeistert, dass nichts seinen Entschluss wankend ma-
chen konnte.
Ich erinnere mich noch sehr genau, dass zu jener Zeit
meine selige Mutter ihm in einem langen Briefe vorstellte, wie
thöricht es sei, eine glänzende Stellung aufzugeben, eine Stel-
lung, welche er so ehrenvoll auf den italienischen Schlachtfel-
dern sich erworben, um einer ungewissen Zukunft im fremden
Lande entgegen zu gehen. Aber wie sehr er auch meine gute
Mutter ehrte und liebte (sie war jene Tante gewesen, welche
wie Eingangs bemerkt, vor ihrer Verheirathung im grossmüt-
terlichen Hause einige Jahre seine Erziehung geleitet), wie sehr
ihm Eltern und Geschwister abriethen, er folgte dem Banner
der Freiheit.
In ehrenvollster Weise erhielt er den geforderten Abschied
aus dem italienischen Armeeverbande und schon am 10. Mai
1862 finden wir ihn als Capitän in den Reihen der nördlichen
Armee. Der Staat Ohio hatte ihm eine Compagnie unterstellt.
Ausser seinem ehrenvollen Abschiede liegen mir keine weiteren
Papiere über seine Thätigkeit als Hauptmann vor. Ich weiss
nur, dass er verwundet nach Columbus, Ohio, in ein Hospital
gebracht wurde, wo ihn eine junge Deutsch-Amerikanerin,
die jugendliche Tochter eines Herrn Jäger, früheren hessischen
Hauptmannes, kennen lernte und sich nach Beendigung des
Bürgerkrieges mit ihm verheirathete.
Nach seiner Wiederherstellung wurde er am 28. September
1864 vom Staate Missouri zum Major und gleichzeitig zum
Adjutanten im Stabe des Generals Rosekranz ernannt und im
October 1864 wurde er General-Inspektor der Truppen des
Staates. In demselben
Monat erhielt er den Titel „Oberst-
lieutenant," wurde Adjutant des General-Majors und Comman-
danten des "Department of the Missouri;" abgelöst am 11. April
1865, wurde er Superintendent und Inspektor der Militärge-
fängnisse in St. Louis. Im Juli 1865 wurde er abgelöst und
verabschiedet.
49
Unter seinen Papieren fand ich noch eine sehr ehrenvolle
öffentliche Belobung des Oberstlieutenants Fix Seitens des
Generals Pike vor und eine zweite von Seiten des Comman-
danten des First Military District Enrolled Missouri Militia.
Kurz nach dem Kriege erhielt Oberst Fix eine Anstellung im
Generalquartiermeister-Amte in Washington, welche Stellung
er mit wenigen Unterbrechungen bis kurz vor seinem Tode
bekleidete. 
Man hatte mich, seinen einzigen Blutsverwandten in die-
sem Lande, von seinem Tode nicht benachrichtigen können,
da man meine Adresse nicht vorfand, und hätte ich nicht zu-
fällig in einer Zeitung seine Todesanzeige gelesen, wäre es mir
nicht möglich gewesen, mit meiner Frau seiner Beerdigung
beizuwohnen. Ausser uns gaben ihm noch seine zwei Töchter,
mehrere Vertreter der "Grand Army of the Republic," einige
frühere Collegen aus dem Generalquartiermeister-Amte und
einige Freunde das letzte Geleite. Er ruht auf dem Soldaten-
Friedhofe in Arlington.
In ihm verlor die Menschheit einen braven und uner-
schrockenen, für die Rechte aller Menschen eintretenden
Mann, der seine Verdienste Niemanden mittheilte, so dass ich,
sein Vertrauter in allen Familienangelegenheiten, erst aus seinen
hinterlassenen Papieren die genaueren Details seiner Lebens-
schicksale erfuhr.
Er gehörte einer tüchtigen Soldatenfamilie an; ein Onkel
focht mit Auszeichnung in der napoleonischen Garde, ein
anderer in der belgischen Revolution, sein jüngerer Bruder ist
General-Lieutenant und Divisions-Commandeur in der bel-
gischen Armee (nebenbei bedeutender Militärschriftsteller) und
der jüngste Bruder ist Oberst-Lieutenant a. D. gleichfalls in
Belgien. Er musste seine militärische Laufbahn wegen eines
Augenübels einstellen. Der älteste Bruder ist Kaufmann und
die einzige Schwester in Paris glücklich verheirathet.
Am 30. März 1893 starb Oberst Fix in Washington. Seine
Frau lebte mit zwei Kindern in Vineland, New Jersey, die
älteste Tochter ist in Philadelphia verheirathet.
Er, der so manchem Kameraden auf dem Schlachtfelde
die letzten Augenblicke erleichtert, starb einsam und ver-
lassen.
50
Selten hat ein Mann so treue Freunde sein genannt, als
er. Sie pflegten ihn in seiner Krankheit, und nur dem Um-
stande, dass er sich Abends vor seinem Tode
besser fühlte,
war es zuzuschreiben, dass seine Freunde der nöthigen Ruhe
pflegten und er früh Morgens, vom Herzschlage getroffen, von
denselben als Leiche aufgefunden wurde.
Möge ihm die Erde seines Adoptiv-Vaterlandes, dem er so
viele Jahre treu gedient, leicht sein.